Montag, 29. Juli 2013

MÄDESÜß oder WIESENGEIßBART

FILIPENDULA ULMARIA

Quelle: Carl Axel Magnus Lindman, Bilder ur Nordens Flora 1901-1905 https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Axel_Magnus_Lindman


Im Sommer überziehen die weißen duftenden Blütenschleier des Mädesüß Feuchtwiesen und Auen. Die auch Wiesengeißbart genannte Staude ist mit ihren weißen Blütendolden eine wahre „Wiesenkönigin“. Ihre Französische Bezeichnung lautet deshalb „Reine-des-prés“. Diese bis zu zwei Meter hohe, königliche Staude gehört zu den Rosengewächsen. Ihr Blütenduft erinnert an eine Mischung aus Mimosen und Holunder, mit einem leichten Bittermandelton. Und ähnlich wie der Holunder kann sie auch in der Wildkräuterküche eingesetzt werden. Doch die Pflanze hat noch eine ganz andere Bedeutung: sie enthält Salizylsäure. Aus dieser wurde im 19. Jahrhundert erstmals das Arzneimittel Acetylsalizylsäure gewonnen. Das Aspirin! Im Namen Aspirin klingt noch der alte Name des Mädesüß an, nämlich das A für Acetyl und Spirin für Spierstaude. Später wurde der Grundstoff für das Aspirin aus Weidengewächsen gewonnen. Pflückt man ein Mädesüß und riecht an seinem Stängel, so erinnert der Geruch an Kinderpflaster, Zahnpasta oder Desinfektionsmittel. Es riecht „medizinisch“. Ihre Fiederblättchen erinnern an die asymetrische Form der Ulmenblätter, deshalb der lateinische Namenszusatz „ulmaria“.  

Mädesüß am Helmbachweiher in der Pfalz, Foto: © Ute Mangold, wiesengenuss

Vorkommen: Das Mädesüß ist eine sogenannte "Leitstaude" in Hochstaudenfluren an nährstoffreichen Gewässerrändern. Hier wächst sie zusammen mit dem Blutweiderich, dem Beinwell, Baldrian, der Engelwurz, dem Weidenröschen und dem Gilbweiderich sowie gelegentlich der Sumpf-Schwertlilie. Sie liebt nährstoffreiche Böden, die meist auch lehmig-tonig sind. Weitere Vorkommen sind in Feucht- und Nasswiesen, auf Weiden, im Ufergebüsch und in Auwäldern, zum Beispiel Erlen-Eschenwäldern.  

Blüte & Ernte:  Die Blätter können ab April geerntet werden, wenn sie noch zart sind. Geerntet werden Blätter, Blüten und Sprossspitzen zur Blütezeit von Juni bis August. In den Alpen steigt das Echte Mädesüß bis in Höhenlagen von 1360 Metern auf, im Schwarzwald sogar bis 1420 Meter.[1]

Anmerkung: Der Name „Mädesüß“ kommt nicht vom „süßen Mädel“, sondern leitet sich von „Met“ ab. Früher wurde der Honigwein, der Met, damit aromatisiert: „Metsüße“. Die „Mede“ ist zugleich ein alter Begriff für gemähtes Grasland. Auf englisch „Meadow“.

Mädesüßblütensirup, Foto: © Ute Mangold, wiesengenuss
 


"La Reine de Prés",
das Mädesüß in der Küche

Die Blüten mit dem honig-mandelartigen Geschmack, der an Marzipan erinnert, sind in der hiesigen Küche kaum bekannt, dafür tauchen sie in der Brüsseler, bzw. wallonischen und französischen Küche bei Rezepten für Desserts und zum Aromatisieren von Süß- und Fruchtspeisen auf, sowie Getränken, denen sie einen süßlich-herben Geschmack verleihen. Die in die Flüssigkeit eingetauchten Blüten geben ihre Geschmacksstoffe gut ab. So kann zum Beispiel flüssige Sahne diesen aromatisch honig-mandelartigen Geschmack annehmen, wenn über Nacht die Blüten in ihr ziehen konnten. Wir verwendeten die Blüten in unserer wiesengenuss-Küche in einer kalten Sauerkirschcremesuppe mit Mädesüßblüten.


Mädesüßblütensirup

250 g Mädesüßblüten
2 kg Zucker
3 L Wasser
1 unbehandelte Zitrone und 3 Orangen, ebenfalls unbehandelt
60 g Zitronensäure


Der Sirup mit dem honig-mandelähnlichen Geschmack wird ähnlich wie ein Holunderblütensirup zubereitet. Auch nützlich bei leichten Kopfschmerzen. Bei Salicylsäureempfindlichkeit (z.B. gegen Aspirin) nicht verwenden.

Zubereitung: Die Stiele von den Blüten kurz schneiden und 1 bis 2 Stunden auf einem Tuch liegen lassen, um die Blüten von den Insekten zu befreien. Die Blüten in ein großes Gefäß geben. Wasser und Zucker erhitzen, bis sich der Zucker gelöst hat. Abkühlen lassen.

Zitrone und Orangen waschen, trocken reiben und in Scheiben schneiden oder auspressen. Mit der Zitronensäure zu den Blüten geben. Zuckerwasser über die Blüten gießen und zugedeckt 48 Stunden ziehen lassen. Den Ansatz durch ein Tuch abseihen und auspressen. Den Sirup auf 80 °C erhitzen, heiß in saubere Flaschen füllen und verschließen.




Eine Wiese voller Wiesengeißbart bei uns in Zweisimmen
Foto: © ALPMED Naturprodukte AG

Das Mädesüß, der Wiesengeißbart 
eine alte Heilpflanze
"Wie die Weide entwickelt der Wiesengeißbart Salicylate, sie sind die "Feuerlöscher" der Natur. Der Wiesengeißbart entfaltet im Menschen die gleichen Kräfte wie als Pflanze in der Natur. Er vermittelt dem Körper Kühle und Leichtigkeit und hilft überall wo Entzündungen herrschen."(Quelle: ALPMED -Ratgeber)

Wirkstoffe: In der Heilkunde werden vor allem die Blüten, seltener auch das Kraut des Mädesüß verwendet. Sie enthalten Flavonoide, Gerbstoffe, ätherisches Öl und Zitronensäure. Medizinisch wichtig sind vor allem die Salicylsäureverbindungen, die nach der Trocknung zur Acetyl-Salicylsäure (Aspirin) werden. Der Name Aspirin leitet sich vom Echten Mädesüß, auch Spiere oder Spierstaude genannt (veraltet: Spiraea ulmaria L. heute: Filipendula ulmaria (L.) Maxim.) ab.

Trocknung von Wiesengeißbart
Foto: © ALPMED Naturprodukte AG, Zweisimmen

Wirkeigenschaften: Dieses altbekannte Medikament wirkt fiebersenkend, entzündungshemmend, antirheumatisch und gerinnungshemmend. Ein Allheilmittel, nicht nur gegen Kopfschmerzen.

Wissenschaftlich anerkannt ist die Anwendung zur unterstützenden Behandlung von Erkältungskrankheiten. In der Erfahrungsheilkunde verwendet man die Pflanze wegen ihrer harntreibenden Wirkung auch bei Gicht, Blasen- und Nierenleiden. (Quelle: Handbuch der Klosterheilkunde)

Und noch ein Auszug aus dem ALPMED-Ratgeber: "Wiesengeißbart wirkt kühlend bei Entzündungen und entlastet das Gewebe, die Gelenke und die Schmerzrezeptoren. Er verbessert die Durchblutung und entlastet das Gefäß- und Lymphsystem. Er wirkt entzündungswidrig, fiebersenkend und schmerzlindernd."




Quellen & Links







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