Montag, 25. März 2019

Die SCHLEHE - der SCHLEHDORN

PRUNUS SPINOSA

Autor: O. W. Thomé (1885), gemeinfrei von commons.wikimedia.org


Nun im Vorfrühling ist es wieder soweit und der dornige dunkle Strauch am Wegesrand zeigt sich voller kleiner weißer Blüten. Wie von tausend weißen Schneeflocken übersät, strotzt das dichte Gebüsch aus Schlehenhecken voller Kraft dem Licht des Frühlings entgegen. Noch vor den Blättern zeigen sich die weißen, kleinen, nach süßherber zarter Bittermandel duftenden Blüten, die so dicht über die ganze Zweiglänge an kurzen Trieben stehen, dass der ganze Strauch weiß übersät ist. „Der durch diese Blütenpracht vom Geist berührte Strauch wirkt wie kleine weiße Wolken in der Landschaft.“

Vorkommen: Der Schlehdorn liebt sonnige Hügel und trockene, lichte Laubwälder mit kalkhaltigem, tiefgründigem Boden. Der auch Schwarzdorn oder nur Schlehe genannte dunkle Strauch kann bis zu drei Meter hoch werden. Seine Zweige sind dornenbesetzt. Dabei handelt es sich um kleine Seitentriebe, die zu Dornen umgewandelt wurden. Er gehört zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Seine Blüten erinnern an die Blüten des Apfels, der Birne oder auch der Kirschblüten, die derselben Pflanzenfamilie angehören. 

Blüte & Ernte: Der Schlehdorn ist ein Frühlingsbote und blüht noch bevor sich seine Blätter zeigen je nach Region schon im März oder im April. Erst nach dem Blühen entwickeln sich die eiförmig, ovalen und am Rand gesägten Blätter. Im Spätsommer wachsen die an kleine Pflaumen erinnernden schwarzbläulichen Früchte mit grünem, saurem Fleisch. Sie sind die wilden Ahnen unserer Zwetschgen und Pflaumen. Erst nach dem ersten Frost im Oktober/November können die Schlehenfrüchte geerntet werden, da sie durch die Kälteeinwirkung süßer werden. Vorher sind die kleinen Steinfrüchte von bitterem, den Mund zusammen ziehenden, adstringierendem Geschmack.

Anmerkung: Im Frühjahr kann die Schlehe leicht mit den Kirschpflaumen (Prunus cerasifera) oder wilden Zwetschgen verwechselt werden. Sie blühen noch vor der Schlehe hier in Südbaden schon Anfang März. Auch diese Sträucher bzw. niedrige Bäume, die bis zu fünf bis acht Meter hoch werden können, sind über und über mit kleinen weißen Blüten übersät, die fast genauso aussehen wie die Schlehenblüten, da sie ebenfalls zur Familie der Rosengewächse gehören. Sie haben jedoch keine Dornen. 

Wissenswertes: Die Schlehen sind in der Kulturlandschaft von wichtiger ökologischer Bedeutung, denn im dornigen dichten Schlehengebüsch können sich zahlreiche Tiere verstecken und zahlreiche Vögel finden hier ihre Nistmöglichkeiten. Die Dornen dienen dem Neuntöter zum Aufspießen von Insekten.

Schlehengebüsch auf der Schwäbischen Alb. Von Milgesch - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, commoms.wikimedia.org 


Der Schlehdorn als Heilpflanze

Die Schlehe ist eine alte Heilpflanze, zwar war sie den griechischen oder arabischen Ärzten noch nicht bekannt, doch taucht sie schon in den mittelalterlichen Kräuterbüchern bei Hildegard von Bingen oder auch Konrad von Megenberg auf. Dort beschreibt er sie als ein Mittel gegen Durchfall.

In ihrer "Physica" schreibt Hildegard von Bingen über den Schlehdornstrauch: 
"Und die Frucht des Schlehdorns, nämlich die Schlehen, süße mit Honig und iss sie oft auf diese Weise, dann wird die Gicht in dir weichen. Aber wer im Magen schwach ist, brate Schlehen [...] oder koche sie in Wasser und esse sie oft, dies führt den Unrat und den Schleim vom Magen ab. Und wenn er ihre Kerne mitisst, wird es ihm nicht schaden. 

Deutsche Pflanzensagen, A. von Perger

In den Deutschen Pflanzensagen aus dem Jahr 1864 

"Die Blüthe des Schehenstrauchs (Prunus spinosa) wird von den Landleuten als ein blutreinigendes Frühlingsmittel betrachtet. Die ersten drei Schlehenblüten, die man antrifft, helfen gegen das Fieber. Der Schlehenstrauch heißt wegen seiner dunklen Zweige auch Schwarzdorn und hegt eine so große Feindschaft gegen den Weißdorn (Crataegus), daß er in dessen Nähe verdorrt; wenn also Schlehenholz zu bösen Zauber benützt wurde, konnte dieser leicht durch Weißdornzweige gehoben werden."


Verwendet werden die Früchte und Blüten des Schlehdorns sowohl in der Heilkunde als auch als Tee oder als Schlehensaft oder -gelee.

Wirkstoffe: Die Blüten enthalten Amygdalin, Cumarin und Flavonglykoside, die harntreibend und abführend wirken. Die Früchte enthalten ebenfalls Amygdalin, das auch für den scharfen Geschmack der Bittermandel verantwortlich ist. Außerdem sind Gerbstoffe, Fruchtsäuren, Vitamin C und Mineralstoffe in den Früchten enthalten. 

Wirkeigenschaften: Die gerbstoffreichen Schlehenfrüchte enthalten Gerbstoffe in großen Mengen, die zusammenziehend (adstringierend) wirken. Wissenschaftlich anerkannt ist die äußerliche Anwendung der Frühchte bei leichten Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenraum. Sie helfen bei leichten Entzündungen des Zahnfleisches und bei Zahnfleischbluten. Hierzu können getrocknete Schlehenfrüchte wie Kaugummi gekaut werden. Diese sind in der Apotheke erhältlich.


In der Volksmedizin und Erfahrungsheilkunde werden die Blüten bei Erkältungskrankheiten und Magen-Darm-Beschwerden empfohlen. Als wirksame Bestandteile gelten die in ihnen enthaltenen Flavonoide, die auch als Radikalfänger gelten. Dazu sind diese gefäßwirksam sind und sorgen für fiebersenkendes Schwitzen bei grippalen Infekten. Ein Tee aus den frischen Blüten im März bis April gilt als Frühjahrskur und willkommenes Blutreinigungsmittel. Er gilt als magenstärkend und entschlackend über Darm und Niere. "Schlehenblüten sind das harmloseste Abführmittel, das es gibt" - so schrieb schon Sebastian Kneipp.

In der Anthroposophischen Medizin zeigt sich in der Art wie der Schlehdorn seinen Lebenslauf vollzieht, dass er starke Lebenskräfte in sich trägt, die er aber nicht so sehr nach außen offenbart, sondern in einer gewissen Innerlichkeit bewahrt. Er ist angezeigt bei allen Schwächezuständen körperlicher und seelischer Art, zum Beispiel Schwächen nach Operationen, Unfällen, zur Rekonvaleszenz. Stärkend wirkt er in der Schwangerschaft und bei Geburten in den Wehenpausen zur Stärkung und Erholung. Auch bei Erschöpfung, Überanstrengung und gegen Stress-Symptome kann man ihn einsetzen. Vor allem auch als Frischpflanzen Tüchlein bei übermäßigen Menstruationskrämpfen sowie bei Krampfzuständen verschiedener Art entfaltet der Schlehdorn seine heilsamen Kräfte. Er wirkt regenerierend auf Gebärmutter und Prostata. Zur Stärkung des Ätherleibs bei Leber- und Lebensschwäche. Bei Hautschwächen und dadurch bedingten Ekzemen. (Quelle: alpmed)



Quellen & Links





Dienstag, 22. Januar 2019

FICHTE oder ROTTANNE

PICEA ABIES syn. PICEA EXCELSA

Franz Eugen Köhler, Köhler's Medizinal-Pflanzen.List of Koehler Images


Aufrichtend bei Rückenschmerzen,
lindernd bei Erkältungen

So könnte man die Wirkung der ätherischen Öle und Harze von Tannen und Fichten wohl am besten beschreiben. Majestätisch aufrecht wie diese Nadelbäume im Gebirge wachsen, so richten sie uns auf, wenn wir unter der Kälte leiden und unser Immunsystem in die Knie gegangen ist. Und dazu noch der wunderbare ätherische Duft, der in natürlichen Tannen- und Fichtenwäldern unsere Lungen reinigen hilft...
"Die Tannenwälder in unseren Gebirgstälern verströmen einen harzigen weihrauchähnlichen Duft und vermitteln mit ihren imposanten Kronen den Eindruck einer großartigen Tannenlandschaft, durch welche die Sonne ihre Strahlen auf den Boden schickt. An ihren natürlichen Standorten wachsen die Tannen zu majestätischen Bäumen heran und können bis zu 50 Meter hoch werden." So heißt es im schweizerischen Alpmed-Ratgeber zur Tanne. 
Dazu eine kleine botanische Anmerkung: Tannen und Fichten werden oft miteinander verwechselt. Die Tannen, genauer als Weißtannen (Abies alba) bezeichnet haben eine hellgrau gefärbte Rinde, einen vogelhorstähnlichen Wipfel und die Zapfen stehen aufrecht, während die Fichten, auch Rottannen genannt (Picea abies), eine rotfarbene Borke haben, pyramidenförmig wachsen und hängende Zapfen. Fichtennadeln laufen dicht spiralförmig um den Zweig, während sie bei der Tanne sind eher parallel angeordnet sind. Beide sind eng miteinander verwandt und gehören zusammen mit den Kiefern, Lärchen, Latschen, Zedern und Douglasien, um die wichtigsten zu nennen, zur Familie der Kieferngewächse (Pinaceae).

Fichtenzweig im Herbst, Haslach im Kinzigtal,
Schwarzwald, Foto: Ute Mangold, wiesengenuss

"Das Wesentliche an den Tannen ist der Bildeprozess ätherischer Öle und balsamischer Harze, das Einverweben kosmischer Wärme- und Lichtprozesse in kühlen Erdzonen. Dazu kommt eine kräftige Vitamin-C-Bildung, die sich überall dort einstellt, wo sich durch ungünstige äußere Lebensbedingungen Stockungen, Verzögerungen der Lebensrhythmen, der Eiweißbildung usw. ergeben würden, von denen sich die Tanne durch das Gegenwirken befeuernder "Sulfur"-Prozesse heilt. Eindrucksvoll steht sie aufrecht mit ihren weitausladenden Ästen da, an denen manchmal lange Flechten hängen." So wird die Heilkraft der stolzen Nadebäume bei Alpmed weiter bildhaft beschrieben.  
Die Tanne und die Fichte als Heilpflanzen

Beide enthalten ein nach Weihrauch duftendes Harz (Terpentin), und eben dieses ist es, was sie als Heilpflanzen so bedeutend macht. Es enthält ätherische Öle, so das aromatisch duftende Fichtennadelöl  Piceae aetherolium (DAB). Nicht nur im Harz ist es enthalten, auch in den frischen Sprossen, Zweigspitzen und Nadeln.
"Die gewaltige Tanne mit ihren natürlichen Aufrichtekräften stärkt den Rücken und richtet die Wirbelsäule auf. Mit ihren ätherischen Ölen und balsamischen Harzen hilft sie vorbeugend bei Arbeiten im Freien, bei nass-kaltem Wetter, bei Sportvorbereitungen. Sie lindert Wetter-Schmerz, wirkt entzündungshemmend und auswurffördernd bei Erkrankungen der Atemwege. Unterstützend bei Rheuma, Husten, Bronchitis, Erkältungen, Gliederschmerzen, Unterkühlung, Zirkulationsstörungen, Durchblutung anregend". Quelle: Alpmed.
Verwendung:  Die frischen Fichtenspitzen (Piceae turiones) und das aus den frischen, zerkleinerten Zweigen und den anhängenden Nadeln durch Wasserdampfdestillation gewonnene ätherische Öl (Fichtennadelöl - Piceae aetheroleum) finden Verwendung in der Heilkunde. Für beide werden identische Anwendungsgebiete beschrieben: Innerlich bei Erkältungskrankheiten der Luftwege. Äußerlich zur Behandlung rheumatischer Beschwerden (Wärmetherapie).
Der wässrige Auszug aus frischen Sprossen ergibt den Fichtennadelextrakt, Pinus abies (hom).
Ebenso können Ölauszüge hergestellt werden, z.B. mit Olivenöl, die sich sehr gut zum Einreiben auf Rücken oder Brust eignen.

Wirkstoffe: Hauptinhaltsstoffe sind ätherische Öle und Harz sowie Vitamine. Daneben enthält die Fichte Gerbstoffe, Ameisensäure, Invertzucker, Saccharose, Picein usw. Medizinisch wirksame Pflanzenteile sind Knospen, Nadeln, junge Triebe, Splintholz, Rinde und Harz. Sammelzeit ist das Frühjahr. Hauptbestandteil des Harzes ist das Terpentin. Es enthält ca. 20 % ätherisches Öl und 70 % reines Harz. (Hengel, 1987). Das ätherische Fichtennadelöl besteht aus einem Gemisch an Monoterpenen, je nach Quelle werden unterschiedliche Angaben gemacht, meist handelt es sich um Bornylacetat, Borneol, Pinen, Camphen, und andere Monoterpene, Frische Fichtenspitzen enthalten neben dem ätherischen Öl sekundäre Pflanzenstoffe wie die Flavonoide und Vitamine wie Vitamin C.

Wirkeigenschaften: Das ätherische Öl wird zum Einreiben bei Atemwegserkrankungen verwendet. Neben der Auswurf fördernden Wirkung ist es wirksam gegen Mikroorganismen. Auch Inhalationen eignen sich bei Erkältungskrankheiten aller Art. Dazu werden einige Tropfen des ätherischen Öls in eine Schüssel mit heißem Wasser gegeben und die aufsteigenden Dämpfe inhaliert. Die durchblutungsfördernde Wirkung des Fichten-, bzw. Tannennadelöl macht man sich bei Muskelverspannungen und Rheuma zunutze. Das Öl kann eingerieben werden oder in ein heißes Bad gegeben werden. Der Sirup aus den jungen Trieben kann innerlich verwendet werden.
Gegenanzeigen gibt es beim bei Asthma oder Keuchhusten, hier kann es zu Krämpfen kommen. Dies gilt jedoch nur für die reinen ätherischen Öle. Für Ölauszüge aus Fichtennadeln sind keine Nebenwirkungen bekannt. Sie können auch bei Kleinkindern und Säuglingen angewandt werden.

Junge Fichtentriebe im Mai
Von Original uploader was Walter J. Pilsak at de.wikipedia.
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Übertragen aus de.wikipedia nach Commons., CC BY-SA 3.0,
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1751806

Ernte & Blüte: Triebspitzen, Tannensprossen von April bis Mai. In der Volksheilkunde wurden die Vitamin C haltigen frischen Sprossen im Frühjahr gegen Skorbut und bei Tuberkulose angewendet.

In der Küche: Die hellgrünen, jungen und noch dichten Triebspitzen der Picea abies schmecken frisch säuerlich und leicht herb zugleich, vergleichbar etwa mit harziger Zitrone. Wir von wiesengenuss stellen daraus im Frühjahr gerne ein Tannenspitzengelee her, das sich gut zu reiferen Käse macht. Auch ein Tannensprossensirup ist sehr lecker, zum Beispiel zu Ziegenkäse oder in einer Salatsauce. Die Sprossen können auch frisch zum Salat gereicht werden oder auch als säuerlich-aromatische Ergänzung zu einem Karottengemüse. Aus den jungen Triebspitzen kann man auch einen Tee zubereiten oder sie zu Schnaps brennen. Die Älteren Nadeln können als Trockengewürz zu Wild- oder Fleischbraten gereicht werden.

Tannenspitzengelee

Zutaten
60 g getrocknete Tannenspitzen
oder 800 g frische Triebe
1 L Wasser
2 L Apfelsaft (naturtrüb)
2 Limetten oder Zitronen in Scheiben (unbehandelt)
2,5 Pk Gelierzucker à 500 g
(bzw. nach Packungsanweisung)

Zubereitung
Die Tannenschösslinge mit den Zitronenscheiben in dem mit Apfelsaft vermischten Wasser aufkochen, den Herd abschalten und zugedeckt etwa 1 Stunde ziehen lassen. Anschließend den Saft durch ein Tuch seihen. Den Sud mit dem Gelierzucker vermischen und aufkochen. Noch heiß durch einen Trichter in sterilisierte Weckgläser füllen und diese sofort verschließen. (Ergibt etwa 3 kg Gelee)

Spruce Beer: Nordamerikanische Ureinwohner verwendeten Fichtensprossen, um daraus ein haltbares Getränk herzustellen, mit dem auch in den Wintermonaten eine Vitamin-C-Quelle zur Verfügung stand. Die Kolonialmächte übernahmen diese Praxis, um Skorbut bei langen Schiffspassagen vorzubeugen.
In angelsächsischen Ländern wird immer noch ein Extrakt aus Fichtennadelsprossen als „Spruce Beer“ getrunken, ein Getränk aus Zuckersirup, Wasser und Hefe, auch wenn dieses auch nicht so populär ist, wie die Erfrischungsgetränke Root und Ginger Beer.


Wissenswertes

In den forstlichen Kulturwäldern Nord- und Mitteleuropa hat eindeutig die Fichte die Vorherrschaft. Erst mit 20 Jahren fängt sie an stark in die Höhe zu wachsen, bis 30 bis 40 m in die Höhe, manche erreichen sogar 50 m. Gemeinsam ist den Tannen, Fichten, Kiefern und Lärchen, dass sie statt Blättern Nadeln tragen und sind immergrüne Gewächse sind - bis auf die Lärche. Sie ist der einzige heimische Nadelbaum, der im Spätherbst seine nadelförmigen Blätter abwirft. Als Heilpflanze haben wir sie hier in unserem Blog zur LÄRCHE bereits beschrieben.

Vanillin: Der Blutungssaft enthält von März bis April den Grundstoff, aus dem Wilhelm Haarmann im Jahr 1874 erstmals das Vanillin synthetisierte. Die Fichte ist der Wirtsbaum einiger Honigtau erzeugender Schild- und Rindenläuse. Hierbei tritt in manchen Jahren, während der Austriebsphase, in welcher der Saft der Leitungsbahnen des Baums besonders zuckerhaltig ist, eine Massenvermehrung dieser Insekten auf. In der Folge kann dies zu einem guten Honigertrag (Waldhonig) von im Wald aufgestellten Bienenvölkern führen. Quelle: Gemeine Fichte, wikipedia 

Fichtenbestand im Schwarzwald auf 1400 m, Feldberg. Foto: Ute Mangold, wiesengenuss

Und noch ein paar Worte zum natürlichen Vorkommen der Fichte und ihrer Sturmbruchgefährdung in tieferen Lagen

Wie oben schon beschrieben gehört die Fichte in Nord- und Mitteleuropa zu den beliebtesten forstlich genutzten Waldbäumen. Der natürliche Verbreitungsschwerpunkt der Fichte lag ursprünglich in den Bergwäldern der Mittelgebirge und den Alpen. Die natürlichen Fichtenwälder beginnen in den Bergen erst ab einer Höhe von 1500 m und reichen bis etwa 2000 m, in den Zentralalpen sogar bis 2400 m hoch. Heute sind diese Naturwälder selten geworden. Die Fichte mag keine Feuchtigkeit und trocken-kaltes Bergklima. Während das Verbreitungsgebiet der Weißtannen sich auf die feuchten Gebirge Mittel- und Südeuropas beschränkte. Im Schwarzwald wuchsen sie gerne an den feuchten Westseiten. Weißtannen können mächtige, bis etwa 70 Meter hohe Stämme entwickeln. Diese Bäume erreichen das stolze Alter von weit über 500 Jahren. Als Schiffsmasten waren die Schwarzwaldtannen in ganz Europa begehrt. Die in früheren Zeiten ausgedehnten, majestätischen Tannenwälder sind bei uns jedoch heute verschwunden.

Die in niedrigeren Lagen angepflanzten Fichtenwälder sind rein aus forstwirtschaftlichen Gründen zur Holz- oder Papiergewinnung angelegt. Da sie in niedrigeren Lagen schneller wachsen und ein weicheres Holz ausbilden, sind sie schädlings- und krankheitsanfälliger und wurden auch wegen ihres flachen tellerförmigen Wurzelwerks massenhaft Opfer von großen Stürmen wie Lothar 1999 und Kyrill 2007. Während die Tannen tiefer wurzeln und ein pfahlförmiges Wurzelsystem haben. Trotzdem hat der Bestand an Weiß-Tannen in den letzten 200 Jahren stark abgenommen. Sie gilt als die schadstoffempfindlichste einheimische Baumart und wurde durch den Sauren Regen, der durch den Schwefeldioxid Gehalt in Rauchgasen verursacht wurde sehr geschädigt. Dazu kam noch der Befall durch eingeschleppte Schädlinge und die Bevorzugung der Fichte gegenüber der Tanne im Waldbau.


Die Sturmschäden von Lothar sind noch immer sichtbar,
hier: Wald bei Haslach im Kinzigtal, Schwarzwald, Foto: Ute Mangold, wiesengenuss


Quellen & Links








Montag, 21. Januar 2019

INGWER - bei Husten, Schnupfen, Heiserkeit

Von Franz Eugen Köhler - The Internet Archive Köhlers Medizinal-Pflanzen
in naturgetreuen Abbildungen und kurz erläuterndem Texte,
Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=255480

Gegen Husten, Schnupfen, Heiserkeit

Jetzt im Januar wieder ein hervorragendes Hausmittel zur Behandlung von Erkältungserscheinungen aller Art, vom grippalen Infekt über Schnupfen, Husten und Heiserkeit, bis hin zu Verdauungsproblemen. Der Tee hilft auch bei Übelkeit und Unwohlsein.

Schon Konfuzius wusste über die Wirkung des Ingwers Bescheid, so heißt es. In Asien wird der Ingwer schon seit über 3000 Jahren zum Würzen von Speisen, aber vor allem auch als Heilmittel eingesetzt. Wobei es in Asien schon immer selbstverständlich war und ist, dass Würzmittel, eben auch Heilmittel sind. Denn die würzenden Inhaltsstoffe sind eben oft auch die Stoffe, die für ihre heilende Wirkung sorgen. Bekanntestes Mittel hierzulande ist der Kümmel, er hilft bei Blähungen und Verdauungsproblemen. Nicht umsonst wird er gerade zum Würzen fettiger Speisen eingesetzt. Doch nun zurück zum Ingwer und einem Rezept.



Rezept für einen
INGWERTEE mit Zitrone und Honig

Ein Liter Wasser aufkochen, währenddessen ein etwa 2 cm langes Stück frischen Ingwer in Scheiben schneiden. Man kann ihn auch reiben, dann wirkt er noch stärker, aber auf keinen Fall getrockneten Ingwer nehmen, denn der enthält kaum Wirkstoffe.

Den Saft von zwei Zitronen auspressen und zusammen mit dem Ingwer und - je nach Geschmack - ein bis zwei Esslöffel Honig in eine Karaffe oder Teekanne geben.

Etwa 5 bis 10 Minuten ziehen lassen.

Ebenso einfach wie wirksam. Der Selbstest ergab: Die Heiserkeit war sofort weg! Außerdem macht Ingwer fit! Nicht nur durch seine Inhaltsstoffe, sondern auch dadurch dass Ingwer "einheizt", also für eine leichte Erhöhung der Körpertemperatur sorgt, befreit er den Körper von Viren, Bakterien und anderen Mikroorganismen.

Unsere Empfehlung: besonders lecker schmeckt der Ingwertee auch lauwarm mit Orangensaft kombiniert.

Zutaten für den Ingwertee, Foto: Ute Mangold, wiesengenuss
Botanisches

Der Ingwer (Zingiber officinale) ist ein schilfartiges Gewächs, das zur Familie der Ingwergewächse (Zingiberaceae) gehört. Verwendet wird hauptsächlich die Ingwerwurzel. Die Wurzel - das Rhizom - wächst horizontal in die Erde.

Der Ingwer riecht angenehm aromatisch. Im Geschmack ist er von warmer, prickelnder Schärfe und angenehmer Säure. Wesentliche Bestandteile sind dabei ätherische Öle, neutrales Harz, Harzsäuren und eine scharf aromatische Substanz namens Gingerol, die für den speziellen Geschmack des Ingwers sorgt. Die Wurzeln enthalten auch Vitamin C und die Mineralstoffe: Magnesium, Eisen, Calcium, Kalium, Natrium und Phosphor.
Zwar nicht dem Ingwer, sondern seinem ihm ähnelnden nahen Verwandten, dem Galgant, haben wir bereits einen Blogbeitrag gewidmet.


Galgant oder Thai-Ingwer, Foto: wiesengenuss


Links & Lesenswertes


Dienstag, 18. Dezember 2018

WEIDE - Silberweide

SALIX ALBA
Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomé Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz 1885,
Gera, Germany, Permission granted to use under GFDL by Kurt Stueber, 
www.biolib.de, Gemeinfrei.

Die Weide steht für Elastizität (körperlich) 
und Flexibilität (geistig)


Die Weiden stellen sich teils strauch- und teils baumartig als Pflanzen der Durchlüftung des Kühl-Feuchten dar. Die Weiden haben die Aufmerksamkeit auf sich gezogen als die Gletscher abschmolzen, Gletscherseen und Moorlandschaften entstanden. Als vielgestaltige Pflanzen bilden sie niemals dichte Wälder, sondern helle Haine. Sie folgen den Bachufern, säumen den Waldrand, das Moor und füllen die feuchten Niederungen, die Flussauen mit ihrer lichten Pflanzenformation. Fliessendes oder quellendes Wasser und helle Luft ist ihre Wonne. Sie zeigen ihre strotzende Vitalität in der Fähigkeit, aus jeder abgeschnittenen Rute sich wurzelschlagend vermehren zu können.
Die der Weide so leicht und reichlich entsprießenden biegsamen Zweige weisen den Weg des Wässerigen in die Luft. Sie bleiben biegsam, weil sie sich das innerliche Flüssigbleiben bewahren – was der Korbflechter sehr zu schätzen weiß. Im Gebiete der Stoff-Erzeugung lässt der Weidenspross aus sich Gerbstoffe hervorgehen und Salicylverbindungen. Letztere sind sogar nach der Weide (Salix) benannt. Schon sehr früh wurde der herbe, zusammenziehende Geschmack der Blätter und Rinde entdeckt.Das in der Weide enthaltene Salicin, wird im Körper zu Acetylsalicylsäure metabolisiert. Abgekürzt: "ASS" – auch unter dem Namen Aspirin bekannt geworden. Heute gewinnt man Acetylsalicylsäure nicht mehr aus der Weide, sondern stellt sie synthetisch her. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass das aus der Weide gewonnene pflanzliche Heilmittel wirksamer ist als das synthetisch hergestellte. Vermutlich tragen noch andere Inhaltsstoffe in der Weide zur Heilwirkung bei.

Die Silber-Weide (Salix alba) ist eine Pflanzenart in der Gattung der Weiden (Salix) aus der Familie der Weidengewächse (Salicaceae). Die schmalen lanzettförmigen Blätter glänzen auf der Unterseite silbrig, daher der Name. Sie ist eine der wenigen baumförmigen Weiden und war Baum des Jahres 1999.

Weide am Bach in Oberschopfheim, Südbaden.
Bild: Ute Mangold, wiesengenuss

Vorkommen: Die Silber-Weide ist in ganz Europa (mit Ausnahme von Skandinavien), in Nordafrika und nach Osten bis nach Zentralasien heimisch. In Mitteleuropa kommt sie von der Ebene bis in mittlere Gebirgslagen (meist bis 850 m) vor. Sie ist eine wärmeliebende Lichtholzart und wächst gerne in Ufergebüschen am Rande von Gewässern, bevorzugt in feuchten Überschwemmungsgebieten, in Auwäldern, an Altwässern, an Bächen oder Seen. Sie mag immer mal wieder überschwemmte Ton oder Schlickböden, die nährstoffreich und kalkhaltig sind.  Als Pionierpflanze besiedelt sie auch sogenannte Sekundärstandorte wie Gräben, Ufer von Restgewässern oder Kiesgruben. An großen Flüssen wachsen oft mächtige Exemplare der Silber-Weide. Die Bestände sind auf regelmäßige Überflutungen angewiesen und tragen zusammen mit anderen Arten der sogenannten Weichholzaue dazu bei, Hochwasserereignisse zu mildern und mit ihrem weit ausgebreiteten Wurzelsystem die Ufer zu stabilisieren.
Biegsame Weidenzweige,
Bild: Ute Mangold, Wiesengenuss

Verwendung: Weidenruten werden vor allem als Flechtmaterial verwendet. Das weißgraue Holz mit braunem Kern wird seltener genutzt. Dazu wurden die Weiden zu Kopfweiden gestutzt. Sie entstehen dadurch, dass man die Zweige regelmäßig bis fast zum Stamm zurückschneidet. Weil das Zurückschneiden der Kopfweiden im Zuge der modernen Landwirtschaft zu mühsam bzw. zu unrentabel wurde, wuchsen viele Kopfweiden auseinander und brachen zusammen. Inzwischen haben aber engagierte Umweltschützer vielfach das Zurückschneiden der Kopfweiden übernommen.

In der Heilkunde wird die Rinde von zwei- bis dreijährigen Weidenzweigen verwendet. Sie kann im Frühjahr ganz leicht abgezogen werden. Die Rinde wird geschnitten, getrocknet und zu Pulver verarbeitet.

Wirkstoffe: Als pflanzliche Arznei dient die Rinde. Sie enthält – je nach Weidenart – bis zu elf Prozent sogenannter Salicylate. Zu dieser Pflanzenstoffgruppe zählen Substanzen wie Salicin und Salicortin. Außerdem kommen in der Rinde reichlich Gerbstoffe vor. Die genaue Zusammensetzung variiert von Art zu Art. Das schmerzlindernde und fiebersenkende Salicin, wird in der Darmflora zu Acetylsalicylsäure verarbeitet.

Wirkeigenschaften: Bekannt geworden ist die Acetylsalicylsäure (ASS), vor allem als Aspirin, das gegen Schmerzen eingesetzt wird und dazu noch entzündungshemmend und fiebersenkend wirkt. Auch bei rheumatischen Beschwerden hat es eine schmerzlindernde Wirkung. Die Weidenextrakte haben zwar keine so starke Wirkung wie die synthetisch hergestellte ASS, sind dafür nebenwirkungsfrei. Extrakte aus Weidenrinde werden heutzutage – unterstützend zur jeweiligen Standardtherapie – vor allem gegen Rückenschmerzen, entzündliches Rheuma und Arthrose eingesetzt. Studien zeigen, dass positive Effekte nicht sofort, sondern erst nach längerer Einnahme auftreten. Bei (magen-)empfindlichen Menschen empfiehlt sich der Einsatz von Weidenrindenextrakt, da er nicht die Nebenwirkungen auf die Magenschleimhaut wie die Acetylsalicylsäure hat. In der Naturheilkunde geht der Einsatz der Weidenextrakte sogar noch weiter: 
„Die Weide erhält die Gelenke biegsam und geschmeidig, lindert Kopf- und Knochenschmerz, fördert die Elastizität von Haut- und Unterhautgewebe – aber auch die Elastizität des Denkens, des Geistes. Sie ist hilfreich bei fieberhaften Erkältungskrankheiten, wirkt allgemein schmerzlindernd, entzündungshemmend und antirheumatisch. Zur Regulierung der Verdauungsprozesse, zur Rhythmisierung des ganzen Magen-Darm-Traktes. Die schweißtreibende Wirkung weist auf die Durchwärmung der Flüssigkeitsorganisation hin. Beruhigend bei Schlafstörungen, stärkt Blut- und Lymphgefäße und fördert die Durchblutung.“ Aus Alpmed-Ratgeber, Frischpflanzenkraft und Gold.

In der Küche: Prinzipiell ist die Weide auch essbar, hat aber einen recht bitteren Geschmack. So wird sie eher als schmerzlindernder Tee eingesetzt, bei Fieber und Erkältung. Die ganz jungen Blätter aller mitteleuropäischen Weiden kann man roh im Salat essen. Junge Blätter, Triebe und die innere Rinde können nach zweimaligem Auskochen als Kochgemüse verwendet werden. Die Blüten stehen. Quelle: wildkrautgarten 

Anmerkung: Schon im 12. Jahrhundert empfahl Hildegard von Bingen Weidenrindentee gegen FieberGicht und Gelenkrheumatismus. Im 17. Jahrhundert wurde die Rinde erstmals zur Medikamentenherstellung gegen Gicht und Rheuma verwendet.


Wurzelwerk einer gefällten Weide im Seepark bei Freiburg,
Bild: Ute Mangold, wiesengenuss

Silbrig glänzende Weidenruten, Bildquelle: alpmed


Quellen & Links






Dienstag, 11. Dezember 2018

MOHN - der Klatschmohn

PAPAVER RHOEAS


Papaver rhoeas - aus Köhlers Medizinalpflanzen

Auch Blutblume, Feldmohn, Feuerblume, Feuer-Mohn, Flattermohn, Klatschrose, Kornrose, Schnalle, oder Wolder Mohn genannt.

Vorkommen: Das genaue Ursprungsgebiet des Klatschmohns ist nicht bekannt, jedoch werden Eurasien und Nordafrika (wo heute noch aus der Blüte Schminke auf traditionelle Weise hergestellt wird) angenommen und damit der Bereich des fruchtbaren Halbmonds, in denen schon lange Ackerbau betrieben wird. Mit dem Ackerbau verbreitete sich der Klatschmohn über die ganze Welt, er gehört damit zu den ganz alten Kulturpflanzen, die seit der Jungsteinzeit mit den Menschen mitwanderten und damit viele Gegenden der Welt besiedelten. 
Man findet den Klatschmohn viel in Getreidefeldern, an Wegen, aber auch auf Schutt, an Straßenböschungen oder an verlassenen Plätzen wie Bahnhofsgelände oder Industriebrachen. Er mag es gerne warm und bevorzugt sommerwarmen, meist kalkhaltigen Lehmboden.

Verwendung: Blüten und Kapseln

Ernte: Blüten im Mai, Kapseln in August / September
Bildquelle: Alpmed

Wirkstoffe: Alkaloide, Gerbstoffe, Bitterstoffe, Saponine. Im Klatschmohn können viele Alkaloide mit einem Gesamtgehalt von 0,11–0,12 % nachgewiesen werden, insbesondere das schwach giftige Rhoedanin im weißen Milchsaft. Die Kronblätter wurden wegen ihrer roten Farbstoffe, den Anthocyaninen, früher zur Herstellung roter Tinte verwendet. Man beachte, dass alle Pflanzenteile schwach giftig sind, besonders aber der Milchsaft.

Bildquelle: Alpmed
Wirkeigenschaften: In der modernen Literatur findet man kaum mehr Anwendungen des Klatschmohns, da es anscheinend keinen Beleg für die Wirksamkeit gibt, hat man die Anwendungen aufgegeben. In der Volksheilkunde ist jedoch der Mohn als beruhigendes Mittel bekannt. Meine Mutter berichtete aus ihrer Kindheit, dass sie früher statt eines Schnullers Mohnsäckchen zur Beruhigung und als Einschlafhilfe bekommen haben. Ich selber habe mit dem Ölauszug aus Mohnblüten eine langwierige Entzündung in meinem Ellenbogen, einen sogenannten Tennisarm, ausheilen können und hatte bei jeder Behandlung mit dem Heilpflanzenöl ein beruhigendes entspannendes Gefühl, das mir auch zu besserem Schlaf verholfen hat.
"Umhüllend bei Seelenschmerzen und zur Verwendung bei Muskel- und Bauchbeschwerden, unser Sonnenauszug aus Mohnblüten. Es ist ein wahres Wunder wie sich aus den zerknittert in der Kapsel liegenden Blütenblättern seidig glatte filigrane Schönheiten entfalten, die leicht im Wind spielend offen sind - zum Himmel und zur Sonne ausgerichtet! Bis in den August hinein reift die Kapsel und Wärmeprozesse überwinden den Giftprozess. So entstehen feine Öle in den Samen der ausgereiften Kapseln.Sorgsam haben wir die Mohnblüten aus ihrem natürlichen Umfeld von Hand geerntet und rhythmisiert, womit sich ihre Lebenskräfte nochmal erhöhen. Wir machen daraus ein Frischpflanzenöl, ein biologisches, kaltgepresstes Olivenöl mit rhythmisiertem Sonnenauszug aus Mohnblüten". Quelle: Alpmed Ratgeber „Frischpflanzenkraft und Gold“
In der Küche: Obwohl der Mohn als schwach gift gilt, sind die jungen Blätter vor der Blütezeit, die Knospen und Blütenblätter sowie auch die jungen grünen Früchte und Samen in Maßen verwendet unbedenklich.Die Knospen sind sehr dekorativ in Salaten und schmecken nussig, oder auch wie schon beschrieben Gurken mit Haselnussgeschmack.  Die roten Blütenblätter eignen sich als essbare Dekoration.


Bildquelle: Ute Mangold, wiesengenuss














ARNIKA

ARNICA MONTANA



„BERGWOHLVERLEIH“ – oder eine kurze Geschichte zur Arnika, der großen Heilpflanze

Der Winter steht vor der Tür, über Nacht ist es schlagartig kalt geworden. Der Wetterwechsel macht vielen zu schaffen. Muskeln und Gelenke schmerzen, Erkältungskrankheiten breiten sich aus. Gut, dass der Sommer, das Licht und die Wärme in heilsamen Pflanzen und Kräutern eingefangen werden konnte - in ihrem Duft und den Aromen. Das beste Beispiel hierfür ist die ARNIKA. Im Juli/August geerntet, strahlt das Sonnenlicht der Alpen noch immer in den gelben Blüten dieser montanen Heilpflanze. Konserviert in Kräuterauszügen, sorgsam getrocknet und in feines Olivenöl eingelegt zum Einreiben. 

VorkommenDie Arnica montana, so ihre botanische Bezeichnung, ist eine Art, die ganz auf Europa beschränkt ist. Ihre nächsten Verwandten kommen in Nordamerika aber auch Nordeurasien vor. Der Verbreitungsschwerpunkt der Art liegt in Zentraleuropa. Sie kommt besonders in den Alpen vor, aber auch in den Mittelgebirgen bis zu den Karpaten und Südskandinavien. So beschreiben es die Autoren in den "Stuttgarter Beiträgen zur Naturkunde - Serie C -Nr. 29"

Sie ist also eine echte Bergpflanze! Wer sie finden will muss hoch hinaus. In den Alpen wächst sie noch bis 2800 m Höhe. Sie wählt die freie unberührte Natur, die mächtigen Lichtströme der Höhensonne - und wird immer aromatischer je höher sie wächst. Mit ihrem Aroma nehmen auch die heilenden Inhaltsstoffe zu. Von Juni bis August ist sie auf natürlichen Bergwiesen mit kalkarmen Untergrund und Heidekrautbeständen zu finden. Den strengen Winter überdauert sie, in dem sie ihre Kraft in den Wurzelstock zurückzieht. Sie ist auf der Roten Liste gefährdeter Arten auf Stufe 3 und steht unter Naturschutz. Ohne ganz strenge Ausnahmegenehmigung darf sie weder gepflückt noch ausgegraben werden.



VerwendungAls "Flores Arnicae" findet man die seltenen Blüten in der Apotheke. Man kann damit einen Auszug bereiten zur äußerlichen Anwendung bei Prellungen oder Entzündungen oder in Form von Salben und Ölen.

Wirkstoffe: Achtung die Arnika gilt als giftig und darf nicht nur Selbstmedikation innnerlich angewendet werden! Arnikablüten im Tee können auch zu Vergiftungen führen.
Die wichtigsten Wirkstoffe der Arnika sind Helenaline. Sie wirken antibakteriell und antirheumatisch. Außerdem enthalten Arnikablüten ätherisches ÖlFlavonoide und Sesquiterpenlactone, die entzündungshemmend und antiseptisch wirken. Helenalin- bzw. Dihydrohelenalinester wirken antibakteriell und antiarthritisch. Diese können eine Entzündungsreaktion verringern. Zudem können die in Arnika enthaltenen Flavonoide und Triterpendiole – bei äußerer Anwendung – ebenfalls antiphlogistisch wirken.

Wirkeigenschaften: Bekannt ist sie vor allem als Heilpflanze in Form von Salben oder Ölen für rheumatische Erkrankungen, Schmerzen in Muskeln, Gelenken, Muskelkater und Ischialgien. Von Rückenschmerzen bis hin zu Knochenbrüchen entfaltet sie ihre schmerzlindernde Wirkung. Auch bei Verbrennungen, Prellungen, Blutergüssen, Biss- und Stichwunden wird sie eingesetzt. Zur Narbenheilung und bei Venenpunktion. Auch als Erste-Hilfe-Mittel dient diese große Heilpflanze mit ihrer harmonisierenden Wirkung. Deshalb setzen wir sie auch bei Herzstörungen ein. Sie ist sowohl bei degenerativen als auch entzündlichen Herzerkrankungen hilfreich sowie bei Folgen von Schock und Schreck. Die Liste der Einsatzmöglichkeiten der Arnika könnte noch lange weiter geführt werden.

In der Küche: Da sie leicht giftig ist, wird sie nicht als essbare Pflanze eingesetzt.

Wissenswertes: Als Heilpflanze ist die Arnika erst relativ spät entdeckt worden. Sie war im Altertum noch nicht bekannt, und auch die Väter der Botanik zu Beginn der Neuzeit kennen sie noch nicht. Ob die bei Hildegard von Bingen (1098 - 1179) genannte Pflanze "Wolfesgelegena" unsere Arnika "Bergwohlverleih" meint, ist unsicher. Die Pflanze wurde erst in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts allmählich bekannt.







Anmerkung zum Sammeln von Arnika:
Und hier noch eine Info zum Sammeln von Arnika von meiner Freundin Verena Gerber von Alpmed Naturprodukte  in der Schweiz:
"Die Arnikablüten zu sammeln ist eine unsere bereicherndsten Arbeiten. [....] Wir haben die Chance als kleine Firma noch etwas näher an der Natur zu sein und deshalb über eine längere Zeit die schönsten Blüten nur herauslesen zu können. Wir dürfen auf den Alpwiesen von Bio-Knospe zertifizieren Bauern, in unserer allernächsten Umgebung, unsere Arnikablüten sammeln und verarbeiten die frischen Blüten quasi sofort zu einer Urtinktur welche mit der Kraft der Sonne bereichert wird. Daraus entstehen die praktischen Arnika Frischpflanzentüchlein mit der unglaublichen Lebenskraft der Natur.
Arnika- eine der Urheilpflanzen der Berge."
Und "Ja, die Arnika ist eine geschütze Pflanze. Wir erhalten jährlich vom BAFU eine Sammelbewilligung um an bestimmten Orten eine bestimmte Menge sammeln zu dürfen."

Quellen & Lesenswertes











LÄRCHE

LARIX DECIDUA

Franz Eugen Köhler, Köhler's Medizinal-Pflanzen (gemeinfrei)

Nun leuchtet sie wieder golden in den Alpen
– die LÄRCHE

Ende Oktober, Anfang November werden wir immer wieder Zeuge eines erstaunlichen Schauspiels: Die Lärche wirft ihre leuchtend golden gewordenen Nadeln zum Winter hin ab. Sie ist der einzige in Europa heimische laubabwerfende, winterkahle Nadelbaum. Da sie in großen Höhen, vor allem in den Zentralalpen wächst, verliert die Lärche im Herbst ihre Blätter, um Schädigungen durch Frosttrocknis an sonnigen und sehr kalten Wintertagen zu vermeiden.

Im folgenden Frühling beginnen die zarten hellgrünen Nadeln wieder in pinselförmigen Büschen auf den langen gebogenen Zweigen der Lärche zu wachsen. Sie bilden hellgrüne duftende Zapfen, mit rundlich, locker liegenden Samenschuppen, die eine rotbraune Behaarung aufweisen. Diese belebende Kraft des Frühlings im Holz lässt unsere Sinnesorgane entspannen und sich vom Winter erholen. Die Lärche ist ein dem Licht zugewandter Baum, sie ist der lichteste Nadelbaum, lichtliebend und vom Sonnenlicht durchstrahlt. Die strahligen Nadelbüschel kann man mit in den Baum hinein gewachsene Sonnenstrahlen vergleichen. 

Foto: Alpmed
Vorkommen: Die Europäische Lärche (Larix decidua) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Lärchen (Larix) in der Familie der Kieferngewächse (Pinaceae). Diese Art ist in Europa heimisch; sie überdauerte die letzte Eiszeit vermutlich in den Karpaten
Die Lärche ist ausgesprochener Lichtbaum der obermontanen bis subalpinen Höhenstufe. Gemeinsam mit der Zirbelkiefer bildet sie den Arven-Lärchenwald, die typische Waldform der oberen Waldgrenze in extremen Hochgebirgslagen. Gebirgswälder, die aus reinen Lärchenbeständen bestehen, finden sich heute im Wesentlichen im Hangfußbereich und auf leicht zugänglichen strahlungsexponierten Hängen. Die Lärche bildet Wälder mit der Fichte (Picea abies) an Steilhängen und auf Blockstandorten. Sie tritt auch beigemischt in Föhren- und Spirkenwäldern auf. Die Art erreicht in den Zentral- und Ostalpen zusammen mit der Zirbe (Pinus cembra) die obere Baumgrenze. Die Lärchen wachsen hier bis in eine Höhenlage von 2500 m NN.

Verwendung:  finden die Blütenknospen, Zapfen, Triebe, und das Kambium. Wichtiger Inhaltsstoff ist das sogenannte Lärchenterpentin, der durch Anbohren der Stämme gewonnene Balsam. Lärchenterpentin wirkt wie gewöhnliches Terpentin aus Pinus pinaster, nämlich hautreizend und antiseptisch; es wird nur selten angewandt. Man benutzt es in Form von Salben, Emulsionen, Pflastern oder Badezusätzen z.B. gegen Furunkel, Abszesse und rheumatische Beschwerden, in Form von geeigneten Inhalationen auch bei Atemwegserkrankungen.

Foto: Alpmed

Ernte
: der Früchte/Zapfen im September bis November. Die reifen aufrecht stehenden Zapfen sind hellbraun, eiförmig, 1,5 bis 6 cm lang und 1,5 bis 2 cm breit. Nach dem Ausfliegen der Samen verblassen die Zapfen, die erst nach 10 Jahren mit dem Zweig zu Boden fallen.
Fruchtreife/Erntezeit: September bis November;

Wirkstoffeätherisches Öl mit PinenenBorneol und 3-CarenHarzsäuren, vor allem Laricinolsäure, in anderen Quellen wird auch Bernsteinsäure genannt. 

Wirkeigenschaften: Neben ihrer medizinisch nachgewiesenen antiseptischen Wirkung, hat die Lärche in der alten Heilkunde als "Lichtbaum" eine erfrischende und belebende Wirkung, die die Augen, das Gedächtnis, die Schläfen und Stirn, aber auch das Herz und die Atmungsorgane enstpannt. Der erfrischende Lärchenduft hilft zur Ablenkung von kreisenden Gedanken und bringt Licht in die Gedanken. Auch bei Erkältungskrankheiten ist sie sehr hilfreich. Lärchensprossen finden beispielsweise in der Alpenmedizin gemischt mit anderen Kräutern als Tee oder Schichtsirup bei Husten Anwendung, da sie durch ihre ätherischen Öle und Saponine helfen, den Bronchialschleim zu verflüssigen. 

In der Küche:  Die hellgrünen, jungen und noch dichten Triebspitzen der Larix decidua schmecken sauer und herb zugleich (etwas wie harzige Zitrone) und eignen sich als säuerliche Ergänzung zu einem Karottengemüse ebenso wie für eine Frischkäse-Zubereitung oder als Beigabe zum Dessert.


Wikipedia Commons, Urheber: Maurice Perry.
European Larch, Saastal, Visp, Valais, Switzerland.
CC BY-SA 2.0, File: Larix decidua Saastal.jpg

Quellen & Lesenswertes