Schwarze Karotte - die Urkarotte?

 

Foto: Ute Mangold, wiesengenuss

"Am Anfang war die Urkarotte - Schon in der Steinzeit aßen die Menschen dieses wilde Gemüse"
So hieß es in einer Werbung. Doch eigentlich müsste es heißen: "Schon in der Jungsteinzeit aßen die Menschen..." und zweitens handelt es sich bei der Karotte, die als Urkarotte gehandelt wird, nicht um die Urform dieses Wurzelgemüses, sondern um eine Kreation der Saatgutindustrie. Unter Namen wie "Purple Haze" oder "Lila Möhre aus der Pfalz" und "Betasweet" wird sie gehandelt. Und wenn man genau auf das Kleingedruckte auf den Samenpäckchen achtet, so erkennt man dass es sich um eine „F1-Hybride„ handelt.

Doch zurück zur Steinzeit. Da gab es noch gar keine Karotten, zumindest nicht die, die wir heute kennen. Die Menschen waren Jäger und Sammler und auf ihrer Wanderschaft über die eiszeitlichen Steppen Mitteleuropas (eher Vorderasiens) sammelten sie vielleicht auch eine aromatisch riechende Pflanze mit verdickten Wurzeln - die Wilde Möhre. Die Wurzeln dieser Wildform waren hellweiß bis gelblich und eher zäh.
Später erst im Neolithikum, der Jungsteinzeit vor 10.000 Jahren, als die Menschen sesshaft wurden und mit Ackerbau begannen, entstand durch Kultivierung der Wilden oder Ur-Möhre die heutige Form der Möhre. Also ein paar zehntausend Jahre später. Aus den zähen kleinen weißen Wurzeln der wilden Steppenpflanze züchteten die ersten Ackerbauern saftige, fleischige und bunte Wurzeln. Die Farbe der damals angebauten Ur-Karotten reichte von weiß über rot, violett bis hin zu schwarz. Die ersten Kulturformen gab es in der Region von Afghanistan vor 1100 Jahren. Die orangefarbene Möhre (Daucus carota subsp. sativus) soll angeblich von holländischen Landwirte aus Verehrung des Königshauses Oranien gezüchtet haben. Dabei wurden gelbe und schwarze Karottensorten miteinander gekreuzt. Doch belegt ist die Theorie nicht.

Dann Ende der 1980er Jahre hatten Forscher in den USA die Idee, eine schwarze Ur-Karotte mit der uns heute bekannten orangefarbenen Karotte zu kreuzen. Ziel dieser Kreuzung war es, den geschmacklichen Ursprung der Karotte wieder aufleben zu lassen. Die entstandene Sorte ist vom Geschmack her süßer, saftiger und mit zusätzlichen Nährstoffen ausgestattet. Sie enthält bis zu vierzig Prozent mehr Betacarotin, eine Vorstufe von Vitamin A, als die herkömmliche orangefarbene Karotte. Für ihre ausgefallene dunkle Farbe sorgt der lilafarbene Pflanzenfarbstoff Anthocyan, der auch in Johannisbeeren, Brombeeren, blauen Trauben oder Auberginen enthalten ist. Die Anthocyane fangen "freie Radikale" in den menschlichen Zellen ab und sind an Energieübertragungsprozessen beteiligt. Sie wirken antioxidativ und blutdrucksenkend und sollen somit helfen, Krebs und Herzinfarkten vorzubeugen.


Die neugezüchtete Schwarze oder Lila Möhre stammt aus der Pfalz und wird BetaSweet genannt. Und eben hier in der Pfalz habe ich sie das erste Mal erstanden auf einem Markt in Landau. Mein botanisches Forscherinteresse war damit geweckt. Wie ich aus dem Deutschlandfunk erfahre wird sie wird mittlerweile in ganz Deutschland vermarktet, vor allem in Bio-Läden. Auf der diesjährigen Obst- und Gemüsemesse „Fruit Logistica“ wurde sie von einem internationalen Fachpublikum zur drittbesten Innovation des Jahres gewählt. Entdeckt und nach Deutschland geholt wurde die lila Möhre von Bernd Schmidt, dem Geschäftsführer eines Gemüsehandels im pfälzischen Lambsheim.

Schwarze Karotten oder Möhren sind ungewöhnlich und urtümlich. Schwarz sind sie wegen ihres hohen Beta-Karotin und Anthocyangehalt, das sind die Farbstoffe - auch als Vitamine und Antioxidantien bekannt. Sie schmecken erdig und süß. Sie sind gesund und echt lecker! 


Schwarze Karotte & Weißer Fisch

Zutaten
250 g Kabeljau (hier: WWF Kabeljau)
3 Kartoffeln (Sorte: Berner)
1 Bund Möhren
Roter Pfeffer (hier der echte von Ingo Holland)
Ingwer (hier in Sirup eingelegter)
Salz, Pfeffer, Chiliflocken

Zubereitung
Zunächst die Kartoffeln schälen und in Salzwasser garen. Die Möhren schälen und in große Würfel schneiden. In einem Topf mit Roh-Rohrzucker, Ingwer und viel Butter glasieren. Den Fisch in Stücke schneiden und in einer Pfanne in Zitronensaft und Butter etwa 10 Min dünsten, so dass er weiß bleibt. Mit dem Rotem Pfeffer und Chiliflocken würzen. Alles zusammen auf einem Teller anrichten. Fertig.




Und zu ihrer wilden Verwandtschaft erfahrt ihr hier mehr: Wilde Möhre (Daucus carota) in meinem Blog


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