Dienstag, 11. Dezember 2018

JOHANNISKRAUT

HYPERICUM PERFORATUM

Prof. Dr. Thomé, Otto Wilhelm - www.biolib.de
Gemeinfrei, File: Hypericum perforatum i01.jpg, Erstellt: 1. Januar 1885

Bringt wieder Licht ins Dunkel
– das 
ECHTE JOHANNISKRAUT

"Sankt Johannskraut.... von etlichen auch Fuga demonum genennt, darumb, das man meynet, wo solichs kraut behalten würt, da komm der teüffel nicht hyn, möge auch kein gespenst bleiben..." 
BRUNFELS (1532)

Solche alten Weisheiten können leicht als Aberglauben abgetan werden, doch haben sie einen realen Kern: Wenn man die Vertreibung von Gespenstern mit der Vertreibung von Depressionen gleichsetzt. So steckt manchmal in den alten medizinischen Kräuterbüchern durchaus ein wahrer Kern.

Das zum Sonnenhöchststand im Sommer geerntete Kraut hilft im Winter gegen die Dunkelheit, auch "Winterdepression" genannt. Es bringt Sonnenkräfte in die Organe und regeneriert. Am besten nimmt man Johanniskraut schon vorbeugend, bevor die dunklen, trüben Hochnebeltage wieder beginnen.

Diese edle Heilpflanze, auch Sankt Johannskraut genannt, gehört sicherlich auf die Lichtseite des Erdenlebens. Das Johanniskraut erkennt man an den goldgelben Blüten, die mit den feuerroten Staubgefäßen wie eine Krone aussehen. Zerreibt man die goldgelben Blüten zwischen den Fingern verfärben sie sich blutrot. Die Blüte verkündet die Johannizeit, den Höchststand des Jahres, die Sommersonnenwende am 24. Juni, auch Johannistag genannt. Die volle Kraft der Sommersonne lebt also in ihm, dem Johanniskraut. Die Öldrüsen der Blätter sind im Gegenlicht als tausend kleine Punkte sichtbar, die wie Löchlein aussehen – deshalb auch der Beinname „perforatum“.

Bildquelle: ALPMED
Vorkommen: Das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum), auch Echt-Johanniskraut, Gewöhnliches Johanniskraut, Durchlöchertes Johanniskraut, Tüpfel-Johanniskraut oder Tüpfel-Hartheu genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Johanniskräuter (Hypericum) innerhalb der Familie der Hypericaceae (früher Hartheugewächse). Zu finden ist diese ölreiche Pflanze an Wegrändern, Dämmen, mageren Weiden, Heiden und brachliegenden Feldern, in lichten Wäldern und Gebüschen. Am liebsten natürlich in voller Sonne. Diese benötigt sie auch für ihr üppiges Wachstum. All dies macht sie zu einer der schönsten Pflanzen des Hochsommers.

Bildquelle: Alpmed, Johanniskraut Standort in der Toskana

Verwendung: Man verwendet meist das ganze Kraut für Tee. Aber auch Johanniskrautöl (ein mit Öl aus frischen Pflanzenteilen gewonnener Extrakt) wird gerne verwendet. Das Öl hilft bei Wunden und Verbrennungen, der Tee gilt als Heilmittel bei depressiven Zuständen. Doch tritt hier die Wirkung erst bei der Anwendung über Monate hin ein. Das Johanniskraut gibt es mittlerweile auch in Form von Kapseln, Dragees, Tropfen und Saft. Da die Inhaltsstoffe jedoch Nebenwirkungen wie erhöhte Lichtempfindlichkeit der Haut haben und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
haben, sollte man vor Anwendung den Arzt oder Apotheker fragen.

Ernte: In der Heilkunde werden die oberirdischen Teile des Johanniskrauts verwendet, die zur Hochblütezeit im Juni gesammelt werden. 

Bildquelle: Alpmed, Herstellung von Johanniskrautöl
Wirkstoffe: Zu den Inhaltsstoffen gehören Hypericine, Flavonoide, Gerbstoffe und ätherisches Öl. Zu den Hauptwirkstoffen gehört Hyperforin und Hypericin. Letzteres hat jedoch eine eigenartige Nebenwirkung, es macht die Haut für Strahlung sensibel, so dass bei starker Sonneneinwirkung Sonnenbrand und Hautblasen entstehen können (phototoxisch). Obwohl das Johanniskraut zu den best erforschten Heilpflanzen gehört, ist der genaue Wirkmechanismus bis heute unklar. Als sicher gilt, dass das Hyperforin und Hypericin zu den nervenberuhigenden Stoffen gehören. Doch wie bei allen großen Heilpflanzen gilt: Die Kombination machts! Soll heißen, nicht ein einzelner Wirkstoff heilt, sondern die gesamte Wirkstoffkombination. 

Wirkeigenschaften: Die große Bedeutung des Johanniskrauts spiegelt auch die hohe Anzahl an wissenschaftlich anerkannten Anwendungen wieder. Sie gilt als psychotrope Heilpflanze, da sie nachweislich bei psycho-vegetativen Störungen, depressiven Verstimmungen, Angstzuständen und nervöser Unruhe hilft. Die gesamte Wirkstoffkombination vermindert den Anstieg von Cortisol bei Stress und beeinflusst die Melatonin-Ausschüttung.
Als Öl soll es außerdem auch der Faltenbildung entgegen wirken und damit zu jugendlich frischem Aussehen verhelfen. Das rote Johanniskrautöl besitzt eine entzündungshemmende Wirkung.

In der Küche: Das Johanniskraut ist eine reine Heilpflanze, vereinzelt findet sich Johanniskrautöl als "Rotöl" in Nahrungsergänzungsmitteln. Aber Achtung: Die Pflanzenteile sind leicht giftig.

Anmerkung: Das Johanniskrautöl gilt als nicht reizendes, „kaltes Öl“. Man gewinnt es, indem man Johanniskrautblüten zwei Monate lang in kaltgepresstes Oliven- oder Sonnenblumenöl einlegt, gelegentlich kräftig schüttelt und in der Sonne stehen lässt. Diesen Vorgang nennt man Mazeration.



Bildquelle: Alpmed


Verena Gerber (alpmed)

Foto: Ute Mangold, wiesengenuss

Quellen & Lesenswertes:



Keine Kommentare:

Kommentar posten