Montag, 25. März 2019

Die SCHLEHE - der SCHLEHDORN

PRUNUS SPINOSA

Autor: O. W. Thomé (1885), gemeinfrei von commons.wikimedia.org


Nun im Vorfrühling ist es wieder soweit und der dornige dunkle Strauch am Wegesrand zeigt sich voller kleiner weißer Blüten. Wie von tausend weißen Schneeflocken übersät, strotzt das dichte Gebüsch aus Schlehenhecken voller Kraft dem Licht des Frühlings entgegen. Noch vor den Blättern zeigen sich die weißen, kleinen, nach süßherber zarter Bittermandel duftenden Blüten, die so dicht über die ganze Zweiglänge an kurzen Trieben stehen, dass der ganze Strauch weiß übersät ist. „Der durch diese Blütenpracht vom Geist berührte Strauch wirkt wie kleine weiße Wolken in der Landschaft.“

Vorkommen: Der Schlehdorn liebt sonnige Hügel und trockene, lichte Laubwälder mit kalkhaltigem, tiefgründigem Boden. Der auch Schwarzdorn oder nur Schlehe genannte dunkle Strauch kann bis zu drei Meter hoch werden. Seine Zweige sind dornenbesetzt. Dabei handelt es sich um kleine Seitentriebe, die zu Dornen umgewandelt wurden. Er gehört zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Seine Blüten erinnern an die Blüten des Apfels, der Birne oder auch der Kirschblüten, die derselben Pflanzenfamilie angehören. 

Blüte & Ernte: Der Schlehdorn ist ein Frühlingsbote und blüht noch bevor sich seine Blätter zeigen je nach Region schon im März oder im April. Erst nach dem Blühen entwickeln sich die eiförmig, ovalen und am Rand gesägten Blätter. Im Spätsommer wachsen die an kleine Pflaumen erinnernden schwarzbläulichen Früchte mit grünem, saurem Fleisch. Sie sind die wilden Ahnen unserer Zwetschgen und Pflaumen. Erst nach dem ersten Frost im Oktober/November können die Schlehenfrüchte geerntet werden, da sie durch die Kälteeinwirkung süßer werden. Vorher sind die kleinen Steinfrüchte von bitterem, den Mund zusammen ziehenden, adstringierendem Geschmack.

Anmerkung: Im Frühjahr kann die Schlehe leicht mit den Kirschpflaumen (Prunus cerasifera) oder wilden Zwetschgen verwechselt werden. Sie blühen noch vor der Schlehe hier in Südbaden schon Anfang März. Auch diese Sträucher bzw. niedrige Bäume, die bis zu fünf bis acht Meter hoch werden können, sind über und über mit kleinen weißen Blüten übersät, die fast genauso aussehen wie die Schlehenblüten, da sie ebenfalls zur Familie der Rosengewächse gehören. Sie haben jedoch keine Dornen. 

Wissenswertes: Die Schlehen sind in der Kulturlandschaft von wichtiger ökologischer Bedeutung, denn im dornigen dichten Schlehengebüsch können sich zahlreiche Tiere verstecken und zahlreiche Vögel finden hier ihre Nistmöglichkeiten. Die Dornen dienen dem Neuntöter zum Aufspießen von Insekten.

Schlehengebüsch auf der Schwäbischen Alb. Von Milgesch - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, commoms.wikimedia.org 


Der Schlehdorn als Heilpflanze

Die Schlehe ist eine alte Heilpflanze, zwar war sie den griechischen oder arabischen Ärzten noch nicht bekannt, doch taucht sie schon in den mittelalterlichen Kräuterbüchern bei Hildegard von Bingen oder auch Konrad von Megenberg auf. Dort beschreibt er sie als ein Mittel gegen Durchfall.

In ihrer "Physica" schreibt Hildegard von Bingen über den Schlehdornstrauch: 
"Und die Frucht des Schlehdorns, nämlich die Schlehen, süße mit Honig und iss sie oft auf diese Weise, dann wird die Gicht in dir weichen. Aber wer im Magen schwach ist, brate Schlehen [...] oder koche sie in Wasser und esse sie oft, dies führt den Unrat und den Schleim vom Magen ab. Und wenn er ihre Kerne mitisst, wird es ihm nicht schaden. 

Deutsche Pflanzensagen, A. von Perger

In den Deutschen Pflanzensagen aus dem Jahr 1864 

"Die Blüthe des Schehenstrauchs (Prunus spinosa) wird von den Landleuten als ein blutreinigendes Frühlingsmittel betrachtet. Die ersten drei Schlehenblüten, die man antrifft, helfen gegen das Fieber. Der Schlehenstrauch heißt wegen seiner dunklen Zweige auch Schwarzdorn und hegt eine so große Feindschaft gegen den Weißdorn (Crataegus), daß er in dessen Nähe verdorrt; wenn also Schlehenholz zu bösen Zauber benützt wurde, konnte dieser leicht durch Weißdornzweige gehoben werden."


Verwendet werden die Früchte und Blüten des Schlehdorns sowohl in der Heilkunde als auch als Tee oder als Schlehensaft oder -gelee.

Wirkstoffe: Die Blüten enthalten Amygdalin, Cumarin und Flavonglykoside, die harntreibend und abführend wirken. Die Früchte enthalten ebenfalls Amygdalin, das auch für den scharfen Geschmack der Bittermandel verantwortlich ist. Außerdem sind Gerbstoffe, Fruchtsäuren, Vitamin C und Mineralstoffe in den Früchten enthalten. 

Wirkeigenschaften: Die gerbstoffreichen Schlehenfrüchte enthalten Gerbstoffe in großen Mengen, die zusammenziehend (adstringierend) wirken. Wissenschaftlich anerkannt ist die äußerliche Anwendung der Frühchte bei leichten Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenraum. Sie helfen bei leichten Entzündungen des Zahnfleisches und bei Zahnfleischbluten. Hierzu können getrocknete Schlehenfrüchte wie Kaugummi gekaut werden. Diese sind in der Apotheke erhältlich.


In der Volksmedizin und Erfahrungsheilkunde werden die Blüten bei Erkältungskrankheiten und Magen-Darm-Beschwerden empfohlen. Als wirksame Bestandteile gelten die in ihnen enthaltenen Flavonoide, die auch als Radikalfänger gelten. Dazu sind diese gefäßwirksam sind und sorgen für fiebersenkendes Schwitzen bei grippalen Infekten. Ein Tee aus den frischen Blüten im März bis April gilt als Frühjahrskur und willkommenes Blutreinigungsmittel. Er gilt als magenstärkend und entschlackend über Darm und Niere. "Schlehenblüten sind das harmloseste Abführmittel, das es gibt" - so schrieb schon Sebastian Kneipp.

In der Anthroposophischen Medizin zeigt sich in der Art wie der Schlehdorn seinen Lebenslauf vollzieht, dass er starke Lebenskräfte in sich trägt, die er aber nicht so sehr nach außen offenbart, sondern in einer gewissen Innerlichkeit bewahrt. Er ist angezeigt bei allen Schwächezuständen körperlicher und seelischer Art, zum Beispiel Schwächen nach Operationen, Unfällen, zur Rekonvaleszenz. Stärkend wirkt er in der Schwangerschaft und bei Geburten in den Wehenpausen zur Stärkung und Erholung. Auch bei Erschöpfung, Überanstrengung und gegen Stress-Symptome kann man ihn einsetzen. Vor allem auch als Frischpflanzen Tüchlein bei übermäßigen Menstruationskrämpfen sowie bei Krampfzuständen verschiedener Art entfaltet der Schlehdorn seine heilsamen Kräfte. Er wirkt regenerierend auf Gebärmutter und Prostata. Zur Stärkung des Ätherleibs bei Leber- und Lebensschwäche. Bei Hautschwächen und dadurch bedingten Ekzemen. (Quelle: alpmed)


Quellen & Links





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