Dienstag, 18. Dezember 2018

WEIDE - Silberweide

SALIX ALBA
Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomé Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz 1885,
Gera, Germany, Permission granted to use under GFDL by Kurt Stueber, 
www.biolib.de, Gemeinfrei.

Die Weide steht für Elastizität (körperlich) 
und Flexibilität (geistig)


Die Weiden stellen sich teils strauch- und teils baumartig als Pflanzen der Durchlüftung des Kühl-Feuchten dar. Die Weiden haben die Aufmerksamkeit auf sich gezogen als die Gletscher abschmolzen, Gletscherseen und Moorlandschaften entstanden. Als vielgestaltige Pflanzen bilden sie niemals dichte Wälder, sondern helle Haine. Sie folgen den Bachufern, säumen den Waldrand, das Moor und füllen die feuchten Niederungen, die Flussauen mit ihrer lichten Pflanzenformation. Fliessendes oder quellendes Wasser und helle Luft ist ihre Wonne. Sie zeigen ihre strotzende Vitalität in der Fähigkeit, aus jeder abgeschnittenen Rute sich wurzelschlagend vermehren zu können.
Die der Weide so leicht und reichlich entsprießenden biegsamen Zweige weisen den Weg des Wässerigen in die Luft. Sie bleiben biegsam, weil sie sich das innerliche Flüssigbleiben bewahren – was der Korbflechter sehr zu schätzen weiß. Im Gebiete der Stoff-Erzeugung lässt der Weidenspross aus sich Gerbstoffe hervorgehen und Salicylverbindungen. Letztere sind sogar nach der Weide (Salix) benannt. Schon sehr früh wurde der herbe, zusammenziehende Geschmack der Blätter und Rinde entdeckt.Das in der Weide enthaltene Salicin, wird im Körper zu Acetylsalicylsäure metabolisiert. Abgekürzt: "ASS" – auch unter dem Namen Aspirin bekannt geworden. Heute gewinnt man Acetylsalicylsäure nicht mehr aus der Weide, sondern stellt sie synthetisch her. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass das aus der Weide gewonnene pflanzliche Heilmittel wirksamer ist als das synthetisch hergestellte. Vermutlich tragen noch andere Inhaltsstoffe in der Weide zur Heilwirkung bei.

Die Silber-Weide (Salix alba) ist eine Pflanzenart in der Gattung der Weiden (Salix) aus der Familie der Weidengewächse (Salicaceae). Die schmalen lanzettförmigen Blätter glänzen auf der Unterseite silbrig, daher der Name. Sie ist eine der wenigen baumförmigen Weiden und war Baum des Jahres 1999.

Weide am Bach in Oberschopfheim, Südbaden.
Bild: Ute Mangold, wiesengenuss

Vorkommen: Die Silber-Weide ist in ganz Europa (mit Ausnahme von Skandinavien), in Nordafrika und nach Osten bis nach Zentralasien heimisch. In Mitteleuropa kommt sie von der Ebene bis in mittlere Gebirgslagen (meist bis 850 m) vor. Sie ist eine wärmeliebende Lichtholzart und wächst gerne in Ufergebüschen am Rande von Gewässern, bevorzugt in feuchten Überschwemmungsgebieten, in Auwäldern, an Altwässern, an Bächen oder Seen. Sie mag immer mal wieder überschwemmte Ton oder Schlickböden, die nährstoffreich und kalkhaltig sind.  Als Pionierpflanze besiedelt sie auch sogenannte Sekundärstandorte wie Gräben, Ufer von Restgewässern oder Kiesgruben. An großen Flüssen wachsen oft mächtige Exemplare der Silber-Weide. Die Bestände sind auf regelmäßige Überflutungen angewiesen und tragen zusammen mit anderen Arten der sogenannten Weichholzaue dazu bei, Hochwasserereignisse zu mildern und mit ihrem weit ausgebreiteten Wurzelsystem die Ufer zu stabilisieren.
Biegsame Weidenzweige,
Bild: Ute Mangold, Wiesengenuss

Verwendung: Weidenruten werden vor allem als Flechtmaterial verwendet. Das weißgraue Holz mit braunem Kern wird seltener genutzt. Dazu wurden die Weiden zu Kopfweiden gestutzt. Sie entstehen dadurch, dass man die Zweige regelmäßig bis fast zum Stamm zurückschneidet. Weil das Zurückschneiden der Kopfweiden im Zuge der modernen Landwirtschaft zu mühsam bzw. zu unrentabel wurde, wuchsen viele Kopfweiden auseinander und brachen zusammen. Inzwischen haben aber engagierte Umweltschützer vielfach das Zurückschneiden der Kopfweiden übernommen.

In der Heilkunde wird die Rinde von zwei- bis dreijährigen Weidenzweigen verwendet. Sie kann im Frühjahr ganz leicht abgezogen werden. Die Rinde wird geschnitten, getrocknet und zu Pulver verarbeitet.

Wirkstoffe: Als pflanzliche Arznei dient die Rinde. Sie enthält – je nach Weidenart – bis zu elf Prozent sogenannter Salicylate. Zu dieser Pflanzenstoffgruppe zählen Substanzen wie Salicin und Salicortin. Außerdem kommen in der Rinde reichlich Gerbstoffe vor. Die genaue Zusammensetzung variiert von Art zu Art. Das schmerzlindernde und fiebersenkende Salicin, wird in der Darmflora zu Acetylsalicylsäure verarbeitet.

Wirkeigenschaften: Bekannt geworden ist die Acetylsalicylsäure (ASS), vor allem als Aspirin, das gegen Schmerzen eingesetzt wird und dazu noch entzündungshemmend und fiebersenkend wirkt. Auch bei rheumatischen Beschwerden hat es eine schmerzlindernde Wirkung. Die Weidenextrakte haben zwar keine so starke Wirkung wie die synthetisch hergestellte ASS, sind dafür nebenwirkungsfrei. Extrakte aus Weidenrinde werden heutzutage – unterstützend zur jeweiligen Standardtherapie – vor allem gegen Rückenschmerzen, entzündliches Rheuma und Arthrose eingesetzt. Studien zeigen, dass positive Effekte nicht sofort, sondern erst nach längerer Einnahme auftreten. Bei (magen-)empfindlichen Menschen empfiehlt sich der Einsatz von Weidenrindenextrakt, da er nicht die Nebenwirkungen auf die Magenschleimhaut wie die Acetylsalicylsäure hat. In der Naturheilkunde geht der Einsatz der Weidenextrakte sogar noch weiter: 
„Die Weide erhält die Gelenke biegsam und geschmeidig, lindert Kopf- und Knochenschmerz, fördert die Elastizität von Haut- und Unterhautgewebe – aber auch die Elastizität des Denkens, des Geistes. Sie ist hilfreich bei fieberhaften Erkältungskrankheiten, wirkt allgemein schmerzlindernd, entzündungshemmend und antirheumatisch. Zur Regulierung der Verdauungsprozesse, zur Rhythmisierung des ganzen Magen-Darm-Traktes. Die schweißtreibende Wirkung weist auf die Durchwärmung der Flüssigkeitsorganisation hin. Beruhigend bei Schlafstörungen, stärkt Blut- und Lymphgefäße und fördert die Durchblutung.“ Aus Alpmed-Ratgeber, Frischpflanzenkraft und Gold.

In der Küche: Prinzipiell ist die Weide auch essbar, hat aber einen recht bitteren Geschmack. So wird sie eher als schmerzlindernder Tee eingesetzt, bei Fieber und Erkältung. Die ganz jungen Blätter aller mitteleuropäischen Weiden kann man roh im Salat essen. Junge Blätter, Triebe und die innere Rinde können nach zweimaligem Auskochen als Kochgemüse verwendet werden. Die Blüten stehen. Quelle: wildkrautgarten 

Anmerkung: Schon im 12. Jahrhundert empfahl Hildegard von Bingen Weidenrindentee gegen FieberGicht und Gelenkrheumatismus. Im 17. Jahrhundert wurde die Rinde erstmals zur Medikamentenherstellung gegen Gicht und Rheuma verwendet.


Wurzelwerk einer gefällten Weide im Seepark bei Freiburg,
Bild: Ute Mangold, wiesengenuss

Silbrig glänzende Weidenruten, Bildquelle: alpmed


Quellen & Links






1 Kommentar:

  1. Weide: Ein wunderschöner Beitrag zu einen wichtigen und oft verkannten Heilpflanze....denn das Gute liegt so nah!
    Verena

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